„Wir waren gut vorbereitet“

Der letzte Schultag vor der angeordneten Schließung aller Schulen im Land lief im Bildungszentrum Zell entspannt ab. Nun beginnt für manche Schüler die Notfallbetreuung.

Es war ein ganz normaler Unterrichtstag, mit dem sich das Bildungszentrum Zell am Montag in die von der Landesregierung verordnete Zwangspause bis zum 19. April verabschiedete. Das Coronavirus und der Versuch, dessen Ausbreitung einzudämmen, hatte zu diesem bislang einmaligen Akt der Schließung aller Schulen im Land geführt. Ab heute, Dienstag, ist das Bildungszentrum rund fünf Wochen geschlossen, darin enthalten sind auch zwei Wochen Osterferien. „Die Stimmung ist entspannt“, sagt Schulleiterin Anne-Catrin Medel an diesem doch außergewöhnlichen letzten Schultag. „Wir waren gut vorbereitet und wir hätten auch schon am Montag zumachen können“, ergänzt sie.
Nicht überraschend
Ganz so überraschend kam die Schließung der Schule für die Verantwortlichen im Bildungszentrum nicht: „Das hat sich schon frühzeitig abgezeichnet und wir haben diese Möglichkeit auch schon in den einzelnen Klassen kommuniziert“, erklärt die Rektorin. Insofern waren Kinder und auch die Eltern vorinformiert. „Und sie wussten auch, dass wir einen Plan für diesen Fall haben“, so Medel. Der „Plan“ bedeutet, dass die Schüler der Grund-, Werkreal- und Realschule ihr Lernen zu Hause fortsetzen sollen.  Dafür haben sie bereits Unterrichtsmaterial mit nach Hause bekommen und bekommen noch weiteren Lernstoff per EMail. „Die Schüler schleppen keine Pakete mit Papier heim“, relativiert die Rektorin. Der Unterrichtsstoff wird übrigens von den Lehrern gesichtet und bewertet.
Vertiefendes Material
Die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern erfolgt übers Telefon oder per Mail. Klar ist, dass in den nächsten Wochen kein komplett neuer Lernsstoff durchgenommen wird. Dafür bräuchte es dann doch den persönlichen Kontakt im Klassenzimmer. „Es ist eher vertiefendes Ma
terial“, erklärt Medel. Übrigens nur aus Fächern, die wenig praxislastig sind. Wenig erfreut über die Zwangspause im Unterricht dürften die Realschüler sein, die zwei Tage nach den Osterferien ihre Abschlussprüfungen haben. Die finden auf jeden Fall statt, zitiert Zells Rektorin die Kultusministerin.  „Die Abschluss-Schüler hätten angesichts der anstehenden Prüfungen liebend gerne Unterricht der Schule gehabt“, so die Rektorin. Insgesamt 651 Schüler besuchen das Bildungszentrum Ritter von Buß. Rund 350 von ihnen sind in den Klassen 1 bis 6. Diese Klassenstufen haben laut Kultusministerium Anspruch auf eine Notfallbetreuung. Die wiederum ist allerdings an Kriterien geknüpft, die Eltern erfüllen müssen. So müssen beide Elternteile in der so genannten „kritischen Infrastruktur“ arbeiten. Dazu zählen insbesondere die Gesundheitsversorgung (medizinisches und pflegerisches Personal, Hersteller Medizinprodukten), die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung einschließlich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr (Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz), die Sicherstellung der öffentlichen Infrastruktur (Telekommunikation, Energie, Wasser,  ÖPNV, Entsorgung) sowie die Lebensmittelbranche.
Kein Unterricht
Sind diese Kriterien erfüllt, können Eltern bei der Schule einen entsprechenden Antrag auf die Notfallbetreuung stellen. Die läuft nur bis zu den regulären Osterferien und ist übrigens kein Unterricht im klassischen Sinn, sondern die Kinder machen in der Schule die ausgehändigten Aufgaben, diesmal aber unter Aufsicht einer Lehrkraft. Die Notfallbetreuung läuft täglich nur vormittags von 7.45 Uhr bis 12.50 Uhr. Bis auf die Lehrkräfte der Notfallbetreuung und die engere Schulverwaltung wird das Zeller Schulgebäude in den nächsten Wochen weitestgehend leerstehen. Die Pädagogen haben übrigens kei
nen Urlaub, das Ganze gilt als Dienstzeit zu Hause. Und wie haben die Schüler auf die Nachricht von der Schließung der Schule reagiert? Erkennen sie den Ernst der Lage? Anne-Catrin Medel überlegt: „Die Reaktionen sind
natürlich altersabhängig. Natürlich wurden anfangs Witzchen gemacht, wohl auch aus Unsicherheit. Allerdings ist eine Schul-Schließung etwas, was es noch nie gab. Das bringt doch manche zum Nachdenken.“
„Wir waren gut vorbereitet“ Der letzte Schultag vor der angeordneten Schließung aller Schulen im Land lief im Bildungszentrum Zell entspannt ab. Nun beginnt für manche Schüler die Notfallbetreuung.

Zur Schließung der Schule aufgrund der Corona-Krise erklärt die Elternbeiratsvorsitzende des Bildungszentrums Zell, Nicole Fonteiner:
Ich habe eine zweigeteilte Meinung was die Schulschließung angeht. Einerseits ist es sicher richtig, die Schule zu schließen um so die Kinder und Jugendlichen zu schützen und gleichzeitig auch deren Familien. Andererseits stellt die Schulschließung eine große Herausforderung für die Familien dar. Innerhalb kürzester Zeit müssen sich die Eltern nun überlegen, wer die Betreuung der Kinder in den nächsten drei Wochen übernimmt. Oma und Opa fallen ja durch das „Großelternverbot“ weg. Auch für die Lehrkräfte ist es eine echte Herausforderung die Schüler angemessen mit Aufgaben zu versorgen und auch da ist die Schule wieder auf die Mithilfe der Eltern angewiesen, gerade bei den Grundschulkindern.
Das Bildungszentrum Ritter von Buss in Zell hat sich auf diesen Fall in meinen Augen sehr gut vorbereitet. Bereits letzte Woche wurden Pläne erstellt, wie die Schüler  an Aufgaben kommen, falls die Schule geschlossen wird. Im ersten Moment hatte mich diese Nachricht beunruhigt weil der Virus für mich noch sehr weit weg war. Im Nachhinein aber muss ich sagen, war die Maßnahme absolut richtig und ich gehe davon aus, dass das auch alles sehr gut klappen wird.
Ich hoffe nun, dass wir alle sehr gut durch diese schwierige Zeit kommen und alle gesund bleiben.
Autor: Dietmar Ruh, Offenburger Tageblatt